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Vom Abo zur eigenen Infrastruktur: mein Homelab mit AOOSTAR und Selfhosting

Michael Ortner28. Juni 20265 Min. Lesezeit
aoostar

Warum ich den Schritt weg von Abos gemacht habe

Ich habe mich irgendwann bei mehreren monatlichen Zahlungen ertappt: Fotos hier, Dateien dort, Medien wieder woanders. Das Problem war nicht nur der Preis, sondern vor allem die Abhängigkeit. Wenn ein Dienst seine Preise ändert, Funktionen sperrt oder Datenexport unnötig kompliziert macht, bist du halt drin.

Für mein Homelab wollte ich deshalb etwas anderes: eigene Systeme, eigene Daten, klare Kontrolle. Kein radikaler Schnitt über Nacht, sondern ein schrittweiser Umstieg auf Dienste, die ich selbst betreibe und die für meinen Alltag wirklich taugen.

Genau dafür habe ich mir ein fertiges System mit genug Platz für Festplatten geholt: den AOOSTAR WTR Max mit AMD R7 Pro 8845HS und 11 Bays. Mir ging es dabei nicht um einen Bastelrekord, sondern um etwas Praktisches: kompakte Bauform, genügend Speicherplatz und ein System, das ich ohne großen Umbau direkt einsetzen kann.


proxmox System


Was ich mit dem System lösen wollte

Mein Ziel war relativ simpel:

  • Fotos selbst hosten
  • Dateien zentral ablegen und teilen
  • Dokumente automatisch erfassen und archivieren
  • Filme und Serien lokal bereitstellen

Dafür brauche ich keine übertriebene Spezialhardware, aber sehr wohl ein System, das dauerhaft läuft und mit mehreren Diensten gleichzeitig nicht ins Schwitzen kommt. Der eigentliche Engpass ist in so einem Setup oft nicht die CPU, sondern eher Storage, saubere Organisation und die Frage, wie gut sich alles im Alltag warten lässt.

Warum kein klassischer Eigenbau

Ich baue zwar gern selbst, aber diesmal habe ich bewusst ein fertiges System gewählt. Der Grund: Zeit und Gehäusekonzept.

Wenn du viele Festplatten unterbringen willst, wird aus einem „kleinen“ Homelab-Projekt schnell ein Kabel-, Kühl- und Platzthema. Ich wollte kein offenes Provisorium, sondern eine möglichst saubere Basis. Das war für mich wichtiger als das letzte Prozent an Bastelfreiheit.

Ein fertiges Mehrschacht-System nimmt dir zwar nicht die Arbeit ab, aber es reduziert die Anzahl der Entscheidungen. Und genau das ist im Alltag oft der größte Vorteil.

Meine wichtigsten Dienste im Alltag

Immich für Fotos

Für mich war Immich der erste wirklich überzeugende Schritt weg von der externen Foto-Cloud. Der Nutzen ist klar: Fotos sind nicht nur irgendwo gesichert, sondern in einer Oberfläche, die sich vernünftig bedienen lässt.

Wichtig war mir dabei vor allem:

  • einfache Sammlung meiner Bilder
  • brauchbare Suche und Verwaltung
  • Zugriff für mehrere Geräte
  • keine Abhängigkeit von einem Abo-Modell

Ich sehe Immich nicht als bloßen Ersatz, sondern als Grundlage für eine eigene Foto-Infrastruktur. Trotzdem gilt: Wenn du von einem kommerziellen Dienst kommst, musst du mit etwas Aufwand bei Import, Struktur und Gewöhnung rechnen. Das ist kein „installieren und vergessen“-Thema.

Nextcloud für Dateien

Nextcloud nutze ich für Dateien, die ich geräteübergreifend verfügbar haben will. Das ist für mich die klassische Ablösung für viele Einzelfälle: Dinge, die sonst in verschiedenen Cloud-Speichern verstreut wären.

Der große Vorteil ist die Bündelung. Der Nachteil ist gleichzeitig auch die Verantwortung: Updates, Backups, Rechte und Speicherplanung liegen bei dir. Genau deshalb wollte ich ein System, das die nötigen Reserven mitbringt.

Paperless-ngx für Dokumente

Paperless-ngx ist für mich das Werkzeug, das im Alltag oft am meisten Ordnung bringt. Rechnungen, Belege, Verträge, Scans – alles an einem Ort, sauber durchsuchbar und nicht in irgendwelchen Mail-Postfächern versteckt.

Der eigentliche Gewinn ist nicht nur die Ablage, sondern die Entlastung von Papier und manueller Suche. Wenn du jemals einen alten Beleg in einem Stapel gesucht hast, weißt du, warum das sinnvoll ist.

Jellyfin für Medien

Jellyfin war für mich die logische Antwort auf Streaming-Abhängigkeiten und zersplitterte Mediatheken. Filme und Serien dort, wo ich sie haben will, ohne dass ein externer Dienst entscheidet, was gerade verfügbar ist.

Auch hier gilt: Das ist nur dann komfortabel, wenn Storage, Netzwerk und Transcoding-Reserven zusammenpassen. Die Software allein löst das Problem nicht.

Worauf ich bei so einem Homelab achte

Bei einem System wie dem AOOSTAR ist für mich nicht nur die reine Leistung wichtig, sondern die Gesamtnutzbarkeit im Alltag:

  • genug Laufwerksschächte für meine Datenplanung
  • brauchbare Kühlung im Dauerbetrieb
  • leiser Betrieb, soweit das im Homelab sinnvoll ist
  • einfache Wartung
  • genug Reserven für mehrere Services gleichzeitig

Ich sage bewusst „soweit sinnvoll“, weil man bei kompakten Systemen immer einen Kompromiss eingeht. Mehr Laufwerke und mehr Leistung bedeuten meist auch mehr Wärme, mehr Verbrauch und potenziell mehr Lärm. Das gehört ehrlich dazu.

Der Umstieg ist kein Klick, sondern ein Prozess

Der größte Fehler wäre, von heute auf morgen alles umzuziehen und dann zu hoffen, dass es schon hält. Ich habe den Wechsel schrittweise gedacht:

  1. zuerst den neuen Speicher und die Basis aufsetzen
  2. dann einen Dienst nach dem anderen migrieren
  3. Daten sauber sichern
  4. erst danach die alten Abos reduzieren oder kündigen

So vermeidest du, dass du dir selbst die Datenbasis zerschießt. Gerade bei Fotos und Dokumenten wäre mir ein überhasteter Cut zu riskant.

Was ich daraus gelernt habe

Mein wichtigstes Fazit: Selfhosting spart nicht automatisch nur Geld. Es kostet auch Zeit, Aufmerksamkeit und ein bisschen Disziplin. Dafür bekommst du Kontrolle, bessere Datenhoheit und oft ein System, das näher an deinen tatsächlichen Bedürfnissen ist.

Für mich ist das der bessere Deal geworden. Nicht, weil es immer billiger ist, sondern weil ich die Infrastruktur wieder selbst in der Hand habe.

Fazit

Wenn du monatliche Abos loswerden und deine wichtigsten Dienste selbst betreiben willst, brauchst du vor allem eine saubere Basis. Für mein Setup war ein kompaktes System mit viel Platz für Festplatten genau der richtige Schritt.

Mein aktueller Ansatz ist klar: Immich für Fotos, Nextcloud für Dateien, Paperless-ngx für Dokumente und Jellyfin für Medien. Das ist kein „einmal aufsetzen und vergessen“, aber es ist für mich die deutlich sinnvollere Form von digitaler Eigenständigkeit.


Michael Ortner
Michael Ortner
Systemadministrator · Linux, Virtualisierung & Infrastruktur
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